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Auffliegender Kormoran

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Sind Kormorane und Reiher schädlich?

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Die Frage ist immer: Schädlich für wen?

Das ist einer der Juckepunkte, an dem Freundschaften zerbrechen können - genauso wie bei der Frage mit den Elstern. Es ist eine ausserordentlich heikle Frage, die sehr kontrovers diskutiert wird. In Naturschutzkreisen macht man sich kaum Freunde damit - allein schon das Stellen dieser Frage treibt den Fragesteller in die Einsamkeit . . . Oder korrekter: Man verliert gute Freunde und gewinnt die Angler und Teichpächter - für Naturschützer ein ziemlich zweifelhafter Tausch.
Der Verfasser will trotzdem versuchen, einige Fakten zum Thema zusammen zu stellen und Anregungen zu geben, über die beide Seiten vielleicht nachdenken können.

Dabei wird es dem Verfasser nicht gelingen, das Thema erschöpfend zu behandeln, aber es wäre schon sehr erfreulich, wenn diese Gedanken ein ganz kleines bisschen zur Versachlichung der Diskussion beitragen könnten.

Kormorankolonie im Naturschutzgebiet Krakower Obersee in Mecklenburg-Vorpommern

Seinen ersten freilebenden Kormoran hat der Verfasser vor mehreren Jahrzehnten gesehen, als Kind mit ornithologischem Interesse. Es war ein grossartiges Erlebnis, denn Kormorane waren in (West-) Deutschland kaum zu beobachten. Die Fischwirte haben nichts unversucht gelassen, die unerwünschten Nahrungskonkurrenten zu töten oder mindestens zu vergrämen.
Heute ist die Situation der Kormorane eine andere und ihre Beobachtung nichts Besonderes. Darüber sollten wir uns durchaus freuen.

Bei den küstennahen Kolonien, wie wir sie vor allem an der Ostseeküste finden, ist ihr recht häufiges Vorkommen auch kein ernstes Problem: Der Arten- und Individuenschwund bei den Fischen ist das Ergebnis der Ausraubung der Ozeane und auch der küstennahen Gewässer durch den Menschen - die Kormorane haben damit nichts zu tun.

Man sollte übrigens nicht vergessen, dass das sogenannte "Sportangeln" mit unserem heutigen Verständnis von Natur und Umwelt und Tierschutz nicht zu vereinbaren ist: Streng genommen ist es durch das Tierschutzgesetz sogar verboten, denn die Tötung von Tieren ist nur erlaubt, wenn es einem "vernünftigen Grund" dient, z.B. der Nahrungsbeschaffung:
In §1, Satz 2 des Tierschutzgesetz (TierSchG) heisst es mittlerweile unmissverständlich: "Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schaden zufügen”. "Sportangeln" ist Töten als Freizeitbeschäftigung, also sicherlich kein "vernünftiger Grund"!
Es gilt aber als ein "vernünftiger Grund", sich ein Abendessen zu angeln.

Aber die Argumente der Kormoran-Befürworter greifen nicht mehr so recht, wenn es um offene Binnengewässer geht. Wohlgemerkt: Gemeint sind natürliche Gewässer und nicht etwa Fischzuchtanlagen (Aquakultur): Fischzuchtbecken können z.B. überspannt werden; auch sonst gibt es Möglichkeiten, Kormorane und Reiher am Fischen in solchen fischwirtschaftlichen Einrichtungen zu hindern. Denn in derartigen Fischzuchtanlagen können Kormorane wirklich einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden anrichten.
Aber bei den Seen geht ein Überspannen der Gewässer natürlich nicht.

Kormorane haben einen recht hohen Nahrungsbedarf, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass die Jagd für die Vögel ziemlich anstrengend ist. An vielen Gewässern werden sie ja auch vergrämt und müssen dadurch unnötig lange Strecken fliegen, wodurch ihr Nahrungsbedarf ja noch steigt.

Im allgemeinen besteht wissenschaftlich Einigkeit darüber, dass ein Kormoran pro Tag etwa ein halbes Kilo Fisch benötigt. Als grober Wert ist das mit Sicherheit brauchbar - ob es dann tatsächlich 400 oder 600 g sind, mag hier ausser Acht gelassen werden.

Eine Kolonie mit über 700 besetzten Nestern (wie z.B. am Naturschutzgebiet Krakower Obersee in Mecklenburg-Vorpommern, der grössten Binnenland-Kolonie in diesem Bundesland) hat also alleine für die Altvögel einen täglichen Bedarf an etwa 700 Kg Fisch! In der Brutzeit kommen da zusammen mit den Jungen also um die 1,5 Tonnen Fisch zusammen. Täglich. Pro Jahr dürften die Vögel dieser Kolonie also 250 - 300 t Fisch fressen. Das mag ihnen gegönnt sein und soll hier gar keine Bewertung dastellen, aber es ist einfach ein Fakt, mit dem man bei der Beurteilung der Situation rechnen muss - egal, ob man Freund oder Feind der Kormorane ist.

Hinzu kommt eine vermutlich erhebliche Menge an verletzten Tieren, die den Kormoranen während der Jagd dann doch noch entkommen sind. Darüber gibt es nur wenige Untersuchungen, die man eigentlich auch nur als Spekulationen qualifizieren kann. So ist es nämlich andererseits sicherlich wahrscheinlich, dass ein grosser Teil der zunächst nur verletzten und dadurch geschwächten Tiere zu einem späteren Zeitpunkt doch noch von den Kormoranen gefangen und gefressen wird.

Wanderfalke mit Taube

Das Argument der Kormoran-Freunde, dass die Vögel sowieso nur kleinere Fische bis etwa 25 cm Länge fressen, die für die Angler uninteressant seien, ist natürlich Unsinn: Die kleinen Fische werden ja normalerweise irgendwann auch gross.

Soll man die Kormorane an solchen Gewässern vergrämen oder gar bejagen?
Nein. Das Vergrämen führt nach dem St-Florians-Prinzip ("Heiliger St. Florian, verschon' mein Haus - zünd's andere an") ja nur zu einer Verlagerung der Frass-Schäden. Ausserdem brauchen die Vögel - wie wir oben schon festgestellt haben - mehr Nahrung, wenn sie ständig aufgescheucht werden.

Haben Kormorane natürliche Feinde?
Ja. Allerdings sind die meisten von denen auch nicht sehr erwünscht: Waschbären z.B. gehen gerne in Kormorankolonien, sind aber in Mitteleuropa ausgesprochen unerwünschte Neozoen (also Einwanderer aus fernen Regionen), die als Allesfresser (im Unterschied zu den spezialisierten Kormoranen) das natürliche Gleichgewicht ihrer Beutetiere stark stören (der Verfasser schreibt dazu ausführlicher auf der verlinkten Waschbären-Seite)

Seeadler

Der Seeadler hingegen ist ein von allen Naturschützern sehr gern gesehener natürlicher Feind des Kormorans. Er geht direkt in die Kolonien und es ist beobachtet worden, dass kleine Kolonien von fleissigen Seeadlern in wenigen Wochen sogar restlos aufgerieben wurden. Ob das nun durch einzelne spezialisierte Seeadler-Paare geschehen ist oder ob das überall passieren kann, wo Seeadler und Kormorane aufeinander stossen, ist dem Verfasser nicht bekannt.

Es ist allerdings zu beobachten, dass z.B. in der o.a. Kormoran-Kolonie am Krakower Obersee die ebenfalls dort brütenden Seeadler zwar auch gerne mal einen Kormoran fressen, ein Ausräumen oder auch nur deutliches Dezimieren der Kolonie durch die Seeadler aber nicht zu verzeichnen ist. Es könnte sein, dass die dortige Kolonie einfach zu gross ist und deshalb nur die Nester, die am Rand der Kolonie liegen, von den Adlern angegriffen werden.

(Auch dieser Artikel wird noch ergänzt)

Weitere interessante Fragen und Antworten zu Vögeln (wird fortgesetzt):

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